Golf aus sportmedizinischer Sicht
Dr. Milan Toljan, Sportmedizinisches Institut Linz / Wien

Trotz "Golferellbogen", "Golfschulter" und "Luftschlägen": Golf ist verletzungsarm und trainiert das Kreislaufsystem

Golf spielen wird häufig als eine Freizeitbeschäftigung angesehen, die ohne besondere körperliche Voraussetzungen und Fitness betrieben werden kann und die ohne größere Belastungen auf den Körper einwirkt.

Während einer Golfrunde über 18 Löcher werden über 100 Schwünge und Probeschwünge durchgeführt. Die meist zu Fuß zurückgelegte Wegstrecke beträgt zwischen 8 und 10 Kilometern in 4 bis 6 Stunden. Abhängig vom Geländeprofil steigt die Sauerstoffaufnahme um das Zwei- bis Vierfache, was 40–60 Prozent der maximalen Sauerstoffaufnahme entspricht. Die maximale Herzfrequenz und die Laktatkonzentrationen bleiben niedrig, der Energieverbrauch während einer Runde liegt zwischen 1000 und 1500 kcal – im Gegensatz zum Tennis werden vermehrt Fette verbrannt.

Verletzungen treten selten auf

Trifft man den Boden vor dem Ball oder schlägt man gegen Steine und Wurzeln, so kann das zu Prellungen und Stauchungen des Schlagarmes führen. Bei "Luftschlägen" wird die Rücken-, Rumpf- und Schultermuskulatur durch den ungebremst durchschwingenden Schläger verrissen, was entsprechende Zerrungen erklärt.

Auch Distorsionen (Verstauchungen) am oberen Sprunggelenk können auftreten. Verletzungen durch den Golfball können auch schwerer Natur sein. Neben Prellmarken und Kopfplatzwunden sind selten auch Frakturen und Todesfälle durch das zu späte Ausweichen des Mitspielers und das ungünstige tangentiale Auftreffen des Balles beschrieben worden. Hier ist das Beachten der notwendigen Abstände zu den Mitspielern und die richtige Einschätzung der eigenen Spielstärke essentiell.

Selten sind Verletzungen durch den Golfschläger, z.B. durch das Entgleiten bei nassem Wetter, das Abbrechen von Schlägerteilen oder durch den direkten Kontakt während der Schwungphase mit einem zu nahe stehenden Mitspieler.

Im Vergleich zu den genannten Verletzungen sind Überlastungsschäden beim Golf, insbesondere an der oberen Extremität und der Wirbelsäule, häufig zu finden. Die so genannte "Golfschulter" beschreibt die entzündlichen Veränderungen der langen Bizepssehne, die durch Überbeanspruchung in der vorgegebenen Rinne ausgelöst wird. Ursächlich für Beschwerden an der Schulter ist die stereotype Übung des Golfschwunges bei bestehender Degeneration der Rotatorenmanschette, eine individuelle Enge des subacromialen (unter dem Schulterdach) Raumes und Veränderungen des Schultereckgelenkes. Häufig sind dann Schleimbeutelentzündungen, Kalkeinlagerungen und aktivierte Sehnenentzündungen bis hin zu Einrissen festzustellen.

Die Therapie dieser Schulterbeschwerden ist primär konservativ und umfasst neben der lokalen Infiltration von Medikamentenmischungen krankengymnastische und physikalische Behandlungen und eine vorübergehende Schonung. Auch sollte der Trainer bezüglich der Schwungtechnik kontaktiert werden.

Mit dem "Golferellbogen" bezeichnet man die ansatznahe Sehnenentzündung des Pronatorteres-Muskels sowie der Hand- und Fingerbeuger. Diese liegt dann auf der "Innenseite" des Ellbogens – im Gegensatz zum "Tennisellbogen" auf der Außenseite

Meist ist eine zu feste und verkrampfte Haltung des Schlägers die Ursache; der Golfschläger wird dann nicht mehr geschwungen, sondern vermehrt gedrückt. Hier ist vor allem der Trainer gefragt, der die bestehende Griff- und Schwungtechnik analysieren sollte und Veränderungen umsetzen kann. Behandlungen sind durch lokale Infiltrationen und physikalische Maßnahmen möglich. Gerade bei älteren Spielern finden sich Überlastungsbeschwerden in den Handgelenken, die durch die vielfach wiederholte Streckung und Radialduktion ausgelöst werden.

Schmerzen an der Wirbelsäule

Die Rumpfdrehung geht wechselseitig auf annähernd 45 Grad. Im kurzen Spiel besteht eine anhaltende Vorneigung und die Ausschwungphase bei langen Schlägen endet in einer deutlichen Hyperlordosierung der Lendenwirbelsäule (vermehrtes Hohlkreuz) – die Bandscheiben der LWS kompensieren forcierte Bewegungen nicht komplett, sodass Osteochondrosen (Degeneration des Knochen-Knorpel-Gewebes) und Spondylarthrosen (chronisch degenerative Veränderungen an den Wirbelgelenken) häufig sind und diese stetig aktiviert und gereizt werden. Gerade hier ist das gezielte Training der Bauch- und Rückenmuskulatur immens wichtig, da die Beschwerden bei ungenügender muskulärer Führung verstärkt auftreten und lang anhaltend sein können.

Lokale Sehnenerkrankungen können durch physikalische Maßnahmen und Infiltrationen gut in den Griff bekommen werden.

An der unteren Extremität kann der vermehrte Stress auf das Innenband und den Innenmeniskus am Knie zu Beschwerden führen, die durch die Fußstellung und den Schwungablauf bedingt sind. Hier ist Abhilfe schwierig – Änderung der Fußstellung und des Schwunges oder lokale symptomatische Behandlungen. Bei lang anhaltenden Beschwerden ist auch an einen Einriss des Meniskus zu denken und die weitere ärztliche Abklärung in die Wege zu leiten.

Golf spielen mit Hüft- oder Knieendoprothesen

Dabei ist der Abschluss der korrekten Rehabilitation und die gute muskuläre Stabilisation abzuwarten. Die mögliche Luxationstendenz beim Abschlag kann durch das Vermeiden von ausgeprägten Wendungen und eine verkürzte Drehbewegung reduziert werden.

Insgesamt ist das Golfspiel ein wenig verletzungsträchtiger Sport, der für alle Altersklassen einen guten Ausgleichsport darstellen kann. Aus gesundheitsfördernder Sicht muss erwähnt werden, dass die signifikante Senkung des Koronarrisikos (Herzkranzgefäßerkrankung) durch Energiemehrverbrauch von 2000 kcal/Woche durch zwei Runden in der Woche erreicht wird.

Um Verletzungen und Sportschäden vorzubeugen, ist das Erlernen einer guten Technik, das regelmäßige Aufwärmen und ein gezieltes Kräftigungsprogramm für die rumpfstabilisierende Muskulatur dringend angeraten. Spezielle Check-up Programme beim Sportmediziner und in spezialisierten Kliniken können helfen, Risiken frühzeitig entgegenzuwirken.

 

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