Schulterschmerzen bei Tennisspielern
Dr. Milan Toljan, Sportmedizinisches Institut Linz / Wien

Tennisspieler haben’s gut – im Gegensatz zu Skifahrern, Fußballern und vielen anderen Sportlern ist ihre akute Verletzungsgefahr gering. Weitaus häufiger, vor allem im professionellen Bereich und leider auch im Nachwuchstennis, treten aber Folgen von Fehl- und Überbelastungen auf.

Wie kommt es dazu? Wie kann man sie verhindern? Und was tun bei Beschwerden?

Die Schulter eines Tennisspielers erbringt Höchstleistungen:

Ungefähr 250 Mal pro Match wird sie belastet, die Rotationsgeschwindigkeit in der Schulter beim Aufschlag liegt bei 1700 Winkelgraden pro Sekunde. Das ist eine der explosivsten Beschleunigungen, zu denen der menschliche Körper überhaupt fähig ist!

Häufig klagen Tennisspieler über Schmerzen in der Schulter beim Wegheben des Armes oder bei der Aufschlagbewegung. Verursacht werden Schulterschmerzen meist durch ein Einklemmen (ein sogenanntes "Impingement") von Schleimbeutel und Sehnen an der knöchernen Begrenzung der Schulter.

Die bei Schulterschmerzen beteiligten Sehnen des Ober- und Untergrätenmuskels ("Supra spinatussehne" und Infraspinatussehne") bilden gemeinsam die sogenannte "Rotatorenmanschette".

Sehnen sind sehr schlecht durchblutet.

Jene in der Schulter sind sogar so schlecht ernährt, dass ab dem 35. Lebensjahr bei vielen, ab dem 50. Lebensjahr bei praktisch jedem Abnützungserscheinungen ("Degenerationen") nachweisbar sind. Schulterschmerzen bei Tennis-Senioren werden also häufig durch Abnützungen, Ablagerungen oder Sehneneinrisse verursacht. In den meisten Fällen sollte nach entsprechender Abklärung (Kernspintomografie) eine arthroskopische Operation durchgeführt werden.

Was aber ist der Grund für Schulterschmerzen bei Jugendlichen?

Das oben erwähnte "Impingement" und die begleitende Entzündung sind in diesen Fällen nur Symptom, nicht Ursache. Injektionen oder Operationen werden also meist nur die Entzündung kurzfristig unterdrücken, aber nichts an der Ursache ändern- der chronischen Fehlbelastung.

Schon seit einigen Jahren weiß man, dass es bei jungen Tennisspielern, wenn sie kein wirksames Krafttraining absolvieren, zu einer Verkürzung der Brustmuskeln, einer eingeschränkten Drehfähigkeit (Rotation) der Schulter und einer unzureichenden Stabilisierung des Schulterblattes kommt. In Summe führt das zu abnehmender Performance und zunehmenden Beschwerden.

Weniger beachtet wird leider immer noch, dass es im Tennis keinen Schlag gibt, der nur aus der Schulter ausgeführt wird. Beobachtungen am nationalen Trainingscenter Belgiens (Ivo Van Aken) haben gezeigt, dass junge Spieler oft zu wenig Flexibilität in der Hüfte und zu wenig Kraft in der tiefliegenden Bauchmuskulatur haben.

Dadurch kommt es zur Störung der kinetischen Kette linke Hüfte-rechte Schulter (bei Rechtshändern) und zu einer Fehlbelastung sowie Schmerzen in der Schulter und im Kreuz.

Was nützen ein kraftvoller Absprung beim Service und eine perfekt trainierte Schultermuskulatur, wenn die Kraftübertragung aufgrund unzureichender Hüft- und Rumpfstabilität nicht funktioniert?

Mein Tipp bei Schulterschmerzen junger Spieler:

  • Reduktion der tennisspezifischen Belastung: weitertrainieren, aber nur Schläge, die nicht weh tun.
  • Untersuchung durch einen qualifizierten Unfallchirurgen oder Orthopäden mit Schwerpunkt Sportmedizin – keine sofortige Operation einreden lassen!
  • Mindestens sechswöchiges intensives physiotherapeutisches Trainingsprogramm mit besonderer Berücksichtigung Hüfte und Bauch(querer Bauchmuskel!) Nach einer Woche kann es keine Heilung geben!

Nach Abklingen der Beschwerden:

Einbau eines "Injury prevention Programme" in den Trainingsablauf. Wer glaubt, während eines Turniers auf Kraft- und Stabilisationstraining verzichten zu können, wird früher oder später mit den verschiedensten leistungslimitierenden Beschwerden konfrontiert sein!

 

Sportmed Linz
Europaplatz 6 4020 Linz
+43 (732) 654040
praxis@sportmed-linz.at
Sportmed Wien
Währinger Straße 60 1090 Wien
+43 (664) 1652791
praxis@sportmed-wien.at