Die Kreuzbandplastik
Operation bei Kreuzbandverletzungen
Dr. Milan Toljan, Sportmedizinisches Institut Linz / Wien

Plastik heisst nicht 'künstlich'.

Im Ärztejargon wird die Operation als 'Kreuzbandplastik' bezeichnet. Von Patienten wird der Ausdruck oft falsch interpretiert, in dem Sinne, dass womöglich ein Band aus 'Plastik' eingezogen wird.

'Plastisch' bedeutet in diesem Zusammenhang aber 'wiederherstellend' es handelt sich um eine plastisch-rekonstruktive Operation.

Wie wird das Band repariert ?

In 5% der Fälle kann man das eigene Band arthroskopisch nähen und mit einer zusätzlichen Struktur verstärken. Die Methode war vor 20 Jahren sehr verbreitet, ist dann völlig verschwunden und erlebt derzeit eine gewisse Renaissance (Ligament Bracing).

in 95% aller Fälle ist das Kreuzband so zerfetzt, dass es nicht sinnvoll wieder angenäht werden kann. Es wird deshalb durch körpereigene Sehnen ersetzt.

Vor und Nachteile verschiedener Sehnen

Die Semitendinosussehne ist leicht zu entnehmen und gut zu verarbeiten. Sie wird auf ein viertel ihrer Länge zusammengefaltet und entspricht dann in der Länge und im Durchmesser ziemlich genau dem ursprünglichen Kreuzband. Sie kann auch gut befestigt werden. Nachteil ist, dass sie etwas länger für ihre Einheilung benötigt als Transplantate mit Knochenblöcken, und dass sie meist auch etwas lockerer wird. Sie ist derzeit die am häufigsten verwendete Sehne.

Die Kniescheibensehne (Ligamentum Patellae) ist ausgesprochen kräftig, besitzt an jedem Ende einen Knochenblock, und heilt exzellent ein. Nachteil ist, dass an der Entnahmestelle oft hartnäckige Schmerzen zurückbleiben, die unter anderem beim knien hinderlich sind. Ein weiterer Nachteil ist, dass durch die Entnahme die Streckmuskulatur geschwächt wird. Patienten brauchen typischerweise etwas länger zum Muskelaufbau als mit anderen Sehnen.

Die Quadricepssehne ist sehr kräftig, kann mit oder ohne Knochenblock entnommen werden, und die Entnahme schwächt die Streckmuskulatur nur gering. Sie ist schwieriger zu befestigen als die anderen Sehnen. Derzeit wird sie nur selten verwendet, mit verbesserten Befestigungsmethoden könnte sie in Zukunft aber ein ideales Transplantat sein.

Leichenbänder (Allografts): Leichenbänder sind genauso tot wie der Spender, von dem sie stammen. Sie sind leicht einzusetzen und zu befestigen, am Ende der Operation schauen sie ganz hervorragend und stabil aus, nach einem Jahr ist meist nicht viel von ihnen übergeblieben.

Künstliche Bänder (LARS Band etc.): künstliche Bänder sind nur in sehr speziellen Situationen sinnvoll, sie haben immer eine begrenzte Haltbarkeit. Bei frischen, erstmaligen Verletzungen, sollten sie nicht angewendet werden, bei Kombinationsverletzungen oder Revisionen können sie notwendig werden.

 

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